25 Unterschriften erreicht
An: Den Gemeindepräsidenten, den Gemeinderat, die Schulpräsidentin und die Schulpflege
Die Schule als wichtiger Lebensmittelpunkt bleibt im Quartier - Keine Stufenschulhäuser in Eglisau

Einleitung
Mit dem Projekt «Schule Eglisau 2026+» sollen ca. 200 Kinder der 1.–6. Klassen künftig regelmässig die Rheinseite wechseln und dabei einen deutlich stärker belasteten Schulweg in Kauf nehmen.
Das bestehende Modell mit Schulstandorten auf beiden Rheinseiten hat sich über Jahrzehnte bewährt und bietet den Kindern vertraute und sozial verankerte Schulwege. Organisatorische Vorteile dürfen nicht höher gewichtet werden als die Sicherheit, Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Kinder, sowie die Belastung des ganzen Familiensystems.
Insbesondere für Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren stellt der vorgesehene Schulweg entlang der stark befahrenen Zürcherstrasse und über die Rheinbrücke eine erhebliche zusätzliche Belastung dar. Der Schulweg ist ein zentraler Bestandteil des Kinderalltags und muss sicher, altersgerecht und selbständig bewältigbar sein.
Konkrete Gefahren und Belastungen aufgrund Projekt Schule Eglisau 2026+
Der betroffene Schulweg weist folgende kritische Faktoren auf:
- Aktuell rund 24’000 Fahrzeugbewegungen pro Tag durch Eglisau, gemäss Prognose Kt. Zürich bis 2040 über 30’000 Fahrzeugbewegungen pro Tag.
- Die Hauptverkehrszeiten decken sich mit den Schulwegzeiten der Kinder.
- Auf relevanten Abschnitten gilt derzeit Tempo 50, Tempo 30 ist erst nach der Sanierung Ortsdurchfahrt Eglisau, ab ca. 2031, vorgesehen.
- Zusätzliche Gefährdung durch die Sanierung Ortsdurchfahrt Eglisau; Baustart frühestens 2029.
- Die Topographie von Eglisau muss berücksichtigt werden: Zusätzliche Höhenmeter bedeuten für Kinder eine reale körperliche Mehrbelastung und verlängern den Schulweg zusätzlich.
- Erhöhte Luftbelastung entlang der stark befahrenen Verkehrsachse: Kinder werden an gewissen Schultagen den Schulweg viermal absolvieren müssen. Durch die geringere Körpergrösse und höhere Atemfrequenz gelangen mehr Feinstaubpartikel in ihre Lungen, was das Wachstum der Lungen nachhaltig behindern und chronische Lungenleiden, Asthma oder sogar spätere Organschäden verursachen kann. Während der geplanten mehrjährigen Ortsdurchfahrtssanierung wird die Feinstaubbelastung noch grösser werden.
- Die Rheinbrücke verfügt über die notwendige minimale Breite von 1.5 Meter Fussweg, hat aber keine Sicherheitsreserven. Die Abgrenzung zwischen Fuss- und Radweg ist nicht durchgängig vorhanden, das Geländer ist zu niedrig und Kinder können problemlos hochklettern. Die Situation verschärft sich zusätzlich während der dunklen Wintermonate sowie bei Regen, Schnee und Nebel.
- Lotsen/Begleitpersonen an neuralgischen Punkten sind zu wenig sicher bei so vielen kleinen Kindern, welche die Strecke über die Brücke gleichzeitig bewältigen müssen. Sehr viele Eltern möchten diese grosse Verantwortung nicht übernehmen und/oder können eine solche Aufgabe aus organisatorischen Gründen nicht übernehmen. Mehrkosten entstehen.
- Die Strecke entlang der Zürcherstrasse verfügt grösstenteils über keine Abgrenzung zur stark befahrenen Strasse mit bis zu 12 % Lastwagenanteil. Besonders die Einmündung Alte Landstrasse/Zürcherstrasse ist eng und gefährlich. Laut Visualisierung (Basis Vorprojekt vom Kt. Zürich) ist keine Abgrenzung Strasse zu Gehweg/Veloweg mehr vorgesehen.
- Die von der Schule hervorgehobene Wichtigkeit des Schulweges wird mit dem geplanten Schulsystem nicht mehr priorisiert. Aufgrund des unzumutbaren Schulweges werden Eltern ihre Kinder nicht weiterhin allein zu Fuss zur Schule gehen lassen. Die familiäre Belastung wird grösser, Elterntaxis nehmen zu, zusätzliches Konfliktpotential wird geschaffen.
- Die tägliche Belastung durch den unzumutbaren Schulweg erhöht das Stresslevel der Kinder. Weniger Freizeit und tiefere Ressourcen wirken sich negativ auf Lernen, Aufnahmefähigkeit, Freizeit und Spiel aus. Die Vorteile der Stufenschulhäuser können diese Belastung nicht kompensieren.
- Nicht alle Eltern wollen oder können ihre Kinder aus familiären Gründen oder finanziellen Mitteln in den Mittagstisch schicken.
Kritische Punkte zu den Stufenschulhäusern:
- Gemäss Lehrplan 21 werden Kinder vom 1. Kindergarten bis und mit 2. Klasse dem 1. Zyklus zugeordnet. Durch das Projekt 26+ werden die Kinder vom 1. Zyklus unnötigerweise aus ihrem gewohnten Umfeld und Quartier gerissen. Dies entspricht somit nicht dem Lehrplan 21. Kontinuität beim Schulweg und Schulhaus ist nicht gegeben.
- Insgesamt deutlich erhöhte Belastung für Familien. Trotz 15 Min. längerer Mittagspause bleibt die Zeit knapp. Viele Eltern wollen ihren Kindern weiterhin ermöglichen, über Mittag nach Hause zu kommen. Sie sollen nicht gedrängt werden, die Kinder extern betreuen zu lassen.
- Das Projekt 26+ wird zu einer deutlichen Zunahme des motorisierten Bringverkehrs führen und steht damit im Widerspruch zu den Zielen einer nachhaltigen und kinderfreundlichen Verkehrspolitik.
- Die räumliche Umstrukturierung wurde aus unserer Sicht nicht vollständig ausgeschöpft: Auf beiden Rheinseiten existiert je eine Bibliothek. Könnte für das Schulhaus Steinboden eine kleinere Bibliothekslösung für die Kindergärten und dadurch Schulraum geschaffen werden? Die Steinboden-Schüler einmal pro Woche klassenweise die Städtlibibliothek besuchen?
- Eltern wurden vor vollendete Tatsachen gestellt; über dieses weitreichende Projekt fand keine Abstimmung statt. Bereits heute verlassen Familien aufgrund dieser Umstrukturierung Eglisau.
Warum ist das wichtig?
Forderung
Wir setzen uns für den Verbleib der 1.–6. Klassen auf beiden Rheinseiten ein, weil:
- Die Gesundheit unserer Kinder im Zentrum steht und die Feinstaubbelastung durch die stark befahrene Strasse sowie das erhöhte Verkehrsrisiko höher zu gewichten sind.
- Die Verankerung und Bindung im Quartier Anonymität verhindern, was Sicherheit bringt.
- Die Jüngsten kurze und sichere - nicht nur zumutbare - Schulwege brauchen, auf welchen Bewegung und Sozialkompetenzen gefördert werden.
- Schulwege gemeinsam mit älteren Geschwistern und Nachbarskindern Geborgenheit, Sicherheit und Unterstützung bieten können - die Grösseren helfen den Kleineren – Freundschaften stufenübergreifend bestehen bleiben.
- Unnötige Schulbusfahrten und Elterntaxis verhindert werden können.
- Insbesondere während der Bauphase «Ortsdurchfahrt Eglisau» auf zusätzliche Schülerströme verzichtet werden soll.
- Ein altersgerechter und sicherer Schulweg sich an den Fähigkeiten der jüngsten Kinder, nicht an organisatorische Bedürfnisse der Schulplanung orientieren soll.
- Rheinseitenübergreifende Projekte auch ohne Stufenschulhäuser gefördert werden können.
Schlussbemerkung
Die Sicherheit und Gesundheit der Kinder sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht durch organisatorische Interessen vernachlässigt werden.
Ein Wechsel zu Stufenschulhäusern darf nicht dazu führen, dass sich die Sicherheitssituation für die jüngsten Kinder verschlechtert und Familien zusätzlich belastet werden.
Der organisatorische Nutzen des Projektes 26+ und die dadurch stark veränderte Schulstruktur steht aus unserer Sicht in keinem Verhältnis zu den Belastungen und Risiken für die jüngsten Kinder sowie deren Familiensystem.
Wir fordern den Gemeindepräsidenten, den Gemeinderat, die Schulpräsidentin und die Schulpflege auf, auf das Projekt «Schule Eglisau 2026+» zu verzichten und im Sinne unserer schulpflichtigen Kinder zu entscheiden.
Für sichere Schulwege!
Für gesunde Kinder!
Für ein familienfreundliches Eglisau!