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An: Pietro Supino, Verwaltungsrats-Präsident TX-Group (Tamedia AG)

Corona-Krise: Gewinninteressen statt Solidarität

Liebe Unterzeichnende

Innert sechs Tagen haben annähernd 2500 Personen den Protestbrief an Pietro Supino, den Verwaltungsratspräsidenten der TX-Group (vormals Tamedia), unterschrieben. Herzlichen Dank für Euer Engagement. Der Brief wurde gestern, am 31. März, Herrn Supino per Mail zugestellt.

© Wikimedia Commons/CC-BY-3.0-CH(Gustav Broennimann)

Version française 🇫🇷: https://act.campax.org/p/crise-corona-marge-beneficiaire-au-lieu-de-solidarite

Wir fordern Tamedia auf, staats- und demokratische Verantwortung zu zeigen und anderen Unternehmen ein Zeichen zu setzen, wie die Corona-Krise solidarisch bewältigt werden kann.

Warum ist das wichtig?

Sehr geehrter Herr Supino

Wenn ein reicher Konzern wie Tamedia Staatsgeld und Angestelltenopfer verlangt, bevor Corona in der Schweiz voll losgebrochen ist, kann das nicht ohne Reaktion bleiben.
Kein Streit jetzt – aber wir fordern Tamedia auf, staats- und demokratische Verantwortung zu zeigen und anderen Unternehmen ein Zeichen zu setzen, wie die Krise solidarisch bewältigt werden kann.

Der schweizweit mächtigste und finanzkräftigste private Medienkonzern Tamedia, der im Informationsbereich u.a. mit Tages-Anzeiger, Basler-Zeitung, Berner Zeitung, der Bund, 20 Minuten, 20 minutes, SonntagsZeitung, 24Heures, Le Matin Dimanche in vielen Regionen eine monopolartige Stellung hält und aus Verkaufsplattformen: u.a. Ricardo, tutti.ch, homegate hohe Gewinne zieht, will wegen der Corona-Krise auf 30 Millionen geschätzte Mindereinnahmen mit Sparschnitten beim Personal und Geld aus Staatskassen ausgleichen. Der Tamedia-Konzern, (heute TX Group), unter Leitung von VR-Präsident Pietro Supino, verordnet Kurzarbeit. Arbeitspensen werden generell um 10 Prozent gekürzt, in verschiedenen Bereichen um mehr. In einer Zeit, in der Redaktionen physisch und psychologisch am Anschlag funktionieren – die meisten Journalistinnen und Journalisten arbeiten im Home Office, viele mit Kindern im Haus – wird journalistische Kapazität weggespart. Ein Medienkonzern mit staatspolitischer Verantwortung und vollen Kassen müsste jetzt Personal aufstocken, nicht reduzieren. Der Abbau erfolgt in einer extremen Krise, in der die Bevölkerung ganz besonders auf vertrauenswürdige, unabhängige Informationen und Einschätzungen angewiesen ist. Andere Medien heben in dieser Situation die Bezahlpflicht auf und legen ihre Information offen.

Der Familienpool kontrolliert bei Tamedia rund 70 Prozent der Aktien-Stimmen. Die Mehrheitsaktionäre haben, wie Jahresrechnungen zeigen, über Jahrzehnte von Gewinnen in Höhe von mehreren hundert Millionen profitiert. Geschäftsleitungsmitglieder kassierten hohe Boni.

Während ein grosser Teil der Bevölkerung befürchtet, Leben, Gesundheit oder den Job zu verlieren, und sich Bürgerinnen und Bürger im Alltag mit Solidarnetzen unterstützen, konzentrieren sich die Eigentümer und die Unternehmensleitung des Tamedia-Konzerns auf die Sicherung ihrer finanziellen Eigeninteressen. Für die notwendige Suche nach einer sozial tragfähigen Aufteilung der voraussehbar enormen Lasten aus der wohl schwersten Krise des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg, setzt der Tamedia-Konzern mit seinem schnellen Griff in die Staatskasse ein fatales Zeichen.

Wir erwarten von den Eigentümern von Tamedia staatspolitische Verantwortung und Bereitschaft zur solidarischen Bewältigung der Krise.

Erstunterzeichnende:
Richard Aschinger, Journalist
Reto Auer, Prof. Dr. med, Bern
Roman Berger, Journalist
Esther Bertschi, Lehrerin
Urs Buess, Journalist
Christian Campiche, Journalist
Mario Carera, ehem. Berater Alt-BR Moritz Leuenberger
Ruth Dreifuss, Genf
Anita Fetz, Kleinunternehmerin, ehem. Ständerätin BS
Andrea Hämmerle, ehem. Nationalrat GR
Urs Hänsenberger, Bern
Franz Hohler, Schriftsteller
Lisa Hürlimann, Bibliothekarin
Claude Janiak, ehem. Ständerat BL
Josef Lang, Historiker, ehem. Nationalrat ZG
Margret Studer, Journalistin
Peter Studer, ehem. Chefredaktor Tages-Anzeiger, Fernsehen DRS, Präsident des Presserats
Klaus Merz, Schriftsteller
Hans-Ulrich Probst, Literaturredaktor
Ruth Schweikert, Schriftstellerin
Andrea Weik, Bern
Monika Zech, Journalistin

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Ich habe unterzeichnet, weil...

  • Die Gewinngier scheint in diesem Haus schon länger wichtiger zu sein als guter und seriöser Journalismus.
  • Weil die Medien gerade jetzt eine besonders wichtige staatspolitische Funktion haben.
  • Diese Doppelzüngigkeit geht nicht mehr einher mit dem Wandel der in der Welt passiert. Mit der einen Hand Dividenden und Boni ausschütten und mit der andern um Geld aus der Staatskasse bitten.

Neuigkeiten

2020-04-04 13:49:57 +0200

Am Freitag, 3. April, hat die Generalversammlung der TX-Group beschlossen, 37 Millionen Franken an ihre Aktionäre zu verteilen. In der offiziellen Stellungnahme von TX-Group heisst es lapidar, die Dividenden beträfen das Geschäftsjahr 2019 und hätten deshalb keinen direkten Zusammenhang mit Covid-19. Obszöner gehts nicht. Denn das gleiche Unternehmen hat für seine Angestellten Kurzarbeit beantragt und erwartet dafür Geld aus der Staatskasse. Im «Echo der Zeit» gabs dazu einen interessanten Beitrag:
https://www.srf.ch/news/wirtschaft/mitten-in-der-corona-krise-trotz-kurzarbeit-dividenden-ausschuetten-darf-man-das

2020-04-02 11:45:10 +0200

Der Bericht über die Petition: https://www.persoenlich.com/medien/petition-fordert-dividendenverzicht (Anmerkung: Der Eingang des Briefes wurde inzwischen vom Kommunikationsverantwortlichen der TX-Group bestätigt)

2020-04-02 11:40:29 +0200

Unsere in der Abschlusserklärung verbreitete Aussage, der Konzern habe auf Boni verzichtet, hat sich als Täuschung entpuppt. Dem Magazin «persoenlich.com» wurde seitens TX-Group erklärt, geplant sei erst 2021 ein Verzicht auf Boni für das Jahr 2020. An der digitalen Generalversammlung vom kommenden Freitag sollen demnach die bereits geplanten Boni und Dividenden bewilligt werden. 2020 wird voraussehbar mit einem Verlust enden, sodass Boni und Dividenden ohnehin kaum ein Thema sein werden.
Sollten die Eigentümerfamlien des Konzerns beschliessen, mitten in der Corona-Krise über 45 Millionen Franken Boni und Dividenden an Unternehmensleiter, Verwaltungsräte und Aktionäre, insbesondere an die Mehrheitsaktionäre der Familien auszuzahlen, wäre das eine Provokation sondergleichen. Im Geist des offenen Briefes fordern wir sie auf, diese Gelder für die Bewältigung der Krisenfolgen, insbesondere für den Schutz von Arbeitsplätzen und der Medienvielfalt zurück zu stellen.

2020-03-27 14:42:12 +0100

Es gibt erste Anzeichen, dass der Druck wirkt: https://www.persoenlich.com/medien/chefetage-verzichtet-auf-boni

2020-03-27 10:58:40 +0100

1,000 Unterschriften erreicht

2020-03-26 16:12:16 +0100

500 Unterschriften erreicht

2020-03-26 07:53:26 +0100

100 Unterschriften erreicht

2020-03-25 22:56:42 +0100

50 Unterschriften erreicht

2020-03-25 21:53:16 +0100

25 Unterschriften erreicht

2020-03-25 20:56:27 +0100

10 Unterschriften erreicht