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An: Bundesrätinnen und Bundesräte, National- und Ständerätinnen und -räte

70 Jahre Schweiz – Sri Lanka: Der Bundesrat muss Gerechtigkeit und eine politische Lösung fordern

Forderungen der tamilischen Diaspora an Bundesrat Ignazio Cassis 

Die Schweiz gehört seit den 80er Jahren nach Kanada, Deutschland und Grossbritannien zu den wichtigsten Aufnahmeländern von tamilischen Geflüchteten aus Sri Lanka. Heute zählt die tamilische Diaspora gemäss Schätzungen des Staatssekretariats für Migration (SEM) mehr als 80’000 Mitglieder und umfasst mittlerweile die dritte Generation. Diese Gemeinschaft gehört zur Schweizer Bevölkerung und trägt seit über 40 Jahren in vielfältiger Weise zum gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben in der Schweiz bei. 

Die Schweiz engagiert sich seit Jahren in Friedensförderung, Sicherung der Menschenrechte, Versöhnung und Dialogprozesse in Sri Lanka, insbesondere im Norden und Osten. Damit gehört dieses Engagement der Schweiz zum Kernelement der jahrelang gepflegten bilateralen Beziehungen. 

Vor diesem Hintergrund appellieren die Unterzeichnenden und Angehörigen der zweiten Generation der Diaspora an Bundesrat Ignazio Cassis, der menschenrechtlichen Verantwortung und der humanitären Tradition der Schweiz gerecht zu werden und sich weiterhin entschlossen für Gerechtigkeit, Rechenschaftspflicht und den Schutz der betroffenen Tamil:innen im Norden und Osten von Sri Lanka einzusetzen.

Wir fordern Bundesrat Ignazio Cassis deshalb auf, während seines Besuchs in Sri Lanka im März 2026 ebenso den Norden und Osten des Landes aufzusuchen. Diese Regionen sind auch nach dem Ende des Krieges weiterhin am stärksten betroffen. 


Konkrete Forderungen:

  • Wir bitten eindringlich um einen Besuch im Norden und Osten von Sri Lanka, um symbolisch die Solidarität mit der tamilischen Opfergemeinschaft zum Ausdruck zu bringen. Ein Besuch in Jaffna könnte einen Besuch des Chemmani-Massengrabs beinhalten. Ein Besuch in Mullaitivu könnte einen Besuch des Mullivaikkal-Strandes beinhalten, dem Schauplatz der letzten Phase des Krieges. Ein Treffen mit Vertreter:innen der gewaltsam Verschwundenen während Ihres Besuchs im Norden und Osten würde dazu beitragen, das anhaltende Ausmass des Leids und der Not zu verdeutlichen.

  • Wir fordern Sie zudem dazu auf, in Ihren öffentlichen Äusserungen während Ihres Aufenthalts in Sri Lanka das Leid und den Schmerz der tamilischen Opfergemeinschaft anzuerkennen. Wir bitten Sie eindringlich, die sri-lankische Regierung aufzufordern, unabhängige internationale Untersuchungen und einen transparenten Prozess der Rechenschaftspflicht (Accountability) für Verbrechen während und nach dem Krieg zuzulassen, unter anderem durch den UN-Menschenrechtsrat und durch internationale Gerichtsprozesse. Die Schweiz soll sich damit aktiv für die Zulassung unabhängiger internationaler Untersuchungsmechanismen einsetzen. 

  • Die tamilische Diaspora in der Schweiz muss konstruktiv einbezogen werden, um Prozesse der Wahrheitsfindung, Rechenschaftspflicht und Gerechtigkeit in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen während und nach dem Krieg in Sri Lanka sowie die Suche nach einer dauerhaften politischen Lösung zu unterstützen, die das Selbstbestimmungsrecht der tamilischen Nation anerkennt.


Vor diesem Hintergrund appellieren die Unterzeichnenden an Bundesrat Ignazio Cassis, den bevorstehenden Besuch in Sri Lanka aktiv zu nutzen, um die Prinzipien des Völkerrechts, der Menschenrechte und der nachhaltigen Friedensförderung konsequent zu vertreten.

Warum ist das wichtig?

Im Jahre 2026 feiern die Schweiz und Sri Lanka das 70-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen. Seither engagiert sich die Schweiz unter anderem in den Bereichen Friedensförderung, Menschenrechte und in der Unterstützung von Reform- und Versöhnungsprozessen. Im Jahre 2016 unterzeichnete die Schweiz zudem ein Migrationsabkommen mit Sri Lanka, um die Rückkehr von abgewiesenen Asylsuchenden und die irreguläre Migration zu regeln. Vor diesem Hintergrund fällt der angekündigte Besuch von Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, Ignazio Cassis, im März 2026 (8. bis 9. März 2026) in eine politisch und historisch sensible Phase. 

Trotz des langjährigen Engagements der Schweiz ist die tamilische Diaspora äusserst besorgt über die seit jahrzehntelang anhaltende Gewalt, strukturelle Diskriminierung und Unterdrückung der sri-lankischen Regierung gegenüber der tamilischen Bevölkerung im Norden und Osten des Landes. Bereits im gleichen Jahr 1956, als die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Sri Lanka aufgenommen wurden, fand auch das erste von mehreren anti-tamilischen Pogromen durch die singhalesische Mehrheitsbevölkerung statt. Höhepunkt war der sogenannte “Black July” im Jahre 1983, kurz vor Ausbruch des Krieges, welcher bis 2009 andauerte. In der Schlussphase 2009 wurden gemäss UN mindestens 70'000 tamilische Zivilist:innen getötet, viele von ihnen in sogenannten «No Fire Zones», die gezielt bombardiert wurden (United Nations, 2011). Es wurden zudem Angriffe auf Spitäler, Schulen und Flüchtlingslager im Nordosten des Landes dokumentiert. Zivilist:innen verschwanden spurlos, viele wurden willkürlich hingerichtet und Frauen wurden Opfer sexualisierter Gewalt (OHCHR, 2025). Die kürzliche Entdeckung von weiteren Massengräbern, wie u.a. das in Chemmani , belegen das Ausmass dieser Verbrechen. Tamilische Stimmen und Menschenrechtsorganisationen wie PEARL stufen diese Handlungen der sri-lankischen Regierung als Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord ein (PEARL, 2024). In Kanada und anderen Ländern gedenken deshalb Regierungen und politische Parteien den 18. Mai als «Tamil Genocide Remembrance Day».

Auch nach dem offiziellen Ende des bewaffneten Konflikts im Jahre 2009 hat sich die Menschenrechtslage für die Tamil:innen nicht grundlegend verbessert. Willkürliche Verhaftungen erfolgen weiterhin unter dem repressiven Gesetz Prevention of Terrorism Act (PTA). Trotz dieser Einschätzungen wurde bis heute keine umfassende internationale Aufarbeitung eingeleitet. Denn die sri-lankische Regierung verweigert bis heute unabhängige internationale Untersuchungen und betreibt weiterhin die fortgeschrittene “Sinhalisierung” tamilischer Gebiete (PEARL, 2026). Sie verweigert zudem konsequent jede unabhängige Untersuchung, wie z.B. das aktuelle Mandat des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte, das Beweismittel zu den Verbrechen in Sri Lanka für potenzielle Gerichtsverfahren sichern und den UN Mitgliedstaaten zur Verfügung stellen soll. Damit verletzt sie grundlegende Prinzipien der internationalen Rechenschaftspflicht und des Völkerstrafrechts. Deshalb kämpfen bis heute Tamil:innen unter Lebensgefahr für eine Aufarbeitung der Verbrechen durch den sri-lankischen Staat und für ihr Recht auf Selbstbestimmung. 

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2026-01-14 23:45:30 +0100

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